Analyse zu “Westlich des Sunset”

O’Nans Roman „Westlich des Sunset“ ist eine einzige Schönfärberei. Dass es gut geschrieben ist (Rhythmus, Atmosphäre, Farbigkeit, die wehmütig-resignierende Beschwörung eines nostalgisch-romantischen Lebensgefühls, last but not least der interessante Blick hinter Hollywoods Kulissen mit seiner albtraumhaften Traumfabrik und Fitzgeralds Verlorenheit im Überlebenskampf darin), all das steht außer Frage. Doch was das Buch zunichte macht, ist seine tiefe Unehrlichkeit, eine Schönfärberei in Reinkultur, die zuweilen an besten Hollywood-Kitsch grenzt.

O’Nan verdreht Fakten, vertuscht, zeigt absolut nichts von Fitzgeralds Gewalttätigkeit und Persönlichkeitsstörung. Sicher ist so mancher Künstler suchtkrank, das ist nicht mal das Problem – doch es wird eines, wenn der Suchtkranke gewalttätig ist. (Zeugen: Zeldas Freundin Sara Mayfield; Zeldas Schwester Rosalind; Zelda im Mai1933 im Gespräch mit Dr. Rennie und Scott, protokolliert und archiviert im Fitzgerald-Archiv der Princeton University Library; weltweit im September 2014 erstmals veröffentlicht (als Hörbuch im Hörverlag München), gesprochen von Birgit Minichmayr und Tobias Moretti: „Wir waren furchtbar gute Schauspieler. Psychogramm einer Ehe. F. Scott und Zelda Fitzgerald “. Und etliche andere Zeugen wie Hemingway, Edmund Wilson, Anita Loos etc.; siehe auch Fitzgeralds Biograf M. J. Bruccoli in „Some Sort of Epic Grandeur. The Life of F. Scott Fitzgerald“, revised edition, Columbia 1991, sowie Sara Mayfield in „Exiles from Paradise. Zelda and Scott Fitzgerald“, New York 1971.

Fitzgeralds Persönlichkeitsstörung (über die Alkoholkrankheit hinaus) wird von O’Nan völlig ausgeblendet; wenn er eine tätliche Auseinandersetzung schildert, sogar völlig verzerrt.

Jede Beziehung Scotts zu den wichtigen Personen seines Lebens wird geschönt dargestellt – zu Scottie, zu Sheilah, zu Hemingway, zu Zelda sowieso.

Ein einziges Mal nur kann man die Wahrheit über Scott lesen: in einem (fiktiven) Brief Sheilahs an Fitzgeralds Sekretärin Frances Kroll in Encino 1939: Mr. Fitzgerald neigt dazu, die Menschen, die ihm am nächsten stehen, zu verletzen. Er ist ein egoistischer, wütender kleiner Mann, der sich für überlegen hält, weil er Gedichte liest und vor zwanzig Jahren einmal berühmt war. (S. 387)

(In diesem Zusammenhang: Alle im Roman kursiv gesetzten Briefe und Telegramme Zeldas, Scotts und Sheilahs sind keine Originale. Sie orientieren sich in Stil und Fakten an den Originalen, sind aber recht großzügig in der Aussage … Mrs. Sayres Brief auf S. 396 ist – bis auf den Fakt von Zeldas anaphylaktischem Schock – völlig erfunden. Ein kleines Nachwort hätte auf all dies hinweisen müssen, wie ich finde.)…

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